Alexander Bagus: Uni Würzburgs rechtsoffener Senator

Alexander Bagus, Mitglied der FDP-nahen „Liberal[en] Hochschulgruppe“ (LHG),  wurde am 02. Juli 2013 als einer von zwei Studierenden in den Senat der Universität Würzburg gewählt. Erschreckenderweise schreibt Bagus seit Jahren Artikel für die rechte Zeitung „Junge Freiheit“ (JF).

Für alle, die sich nichts unter der JF vorstellen können: „Die Junge Freiheit (JF) gilt als Hauptorgan und Sammelbecken der Neuen Rechten“, schreibt das Projekt „Mut gegen rechte Gewalt“.  In einem Brief von Wissenschaftler_innen, Politiker_innen und Gewerkschaftler_innen an die Süddeutsche Zeitung heißt es ferner:

Sie ist in der Grauzone zwischen Neokonservatismus und Neofaschismus beheimatet und arbeitet seit zwei Jahrzehnten an der historischen Legende einer „sauberen deutschen Rechten“ jenseits der NSDAP. […] Sie verbreitet geschichtsrevisionistische Thesen und stellt die Ergebnisse der historischen Forschungen zur Vernichtung des europäischen Judentums in Abrede. So ergriff sie nicht nur Partei für den Holocaustleuger der fundamentalistischen Pius-Bruderschaft, Bischof Richard Williamson, sondern verbreitet, die Ergebnisse der Erforschung des Holocausts seien „von wissenschaftsfremden Kräften vorgegeben“ (JF 8/2009). […] Ihre außenpolitische Programmatik wäre, sollte sie jemals umgesetzt werden, eine Gefahr für den Frieden in Europa.

Bekannt ist die JF auch für das Schalten von Anzeigen für rechte Organisationen und Parteien, wie die bpb feststellt.

Vor diesem Hintergrund ist es bezeichnend, dass Alexander Bagus sogar noch 2013 einen Artikel für die JF über Verschlüsselung schrieb [1]. Insgesamt finden sich 16 von Bagus verfasste oder mitverfasste Artikel im Archiv der JF, die aus den Jahren 2004 bis 2013 stammen [2]. Außerdem war er 2006 einer von 1500 Unterzeichnenden eines „Appells“ gegen die Ausladung der JF durch die Leipziger Buchmesse [3].

JF-Autor Bagus

2009 schrieb Bagus für die JF einen Kurzbericht über einen Vortrag von Jürgen Liminiski (ebenfalls JF-Autor) vor der Burschenschaft Arminia in Würzburg [4]. Bagus näherte sich den Thesen von Liminski mit folgenden Worten: „Eigentlich sollten Journalisten ja die Vermittler der Wahrheit sein. Wer aber den Worten des Journalisten, Publizisten und Buchautors Jürgen Liminski […] lauschte, mußte eher zu einem anderen Schluß kommen“. Diese Formulierung legt nahe, dass Bagus die Schlussfolgerung von Liminski teilt und sie mit seinem Artikel Leser_innen nahe bringen möchte. Weiter schreibt Bagus:

„Pilatisten, die sich opportunistisch dem Geschrei der Menge wie Pilatus im Falle Jesu unterwerfen, sind für Liminski die Träger der Skandale im bürgerlichen wie rechten Lager. Das einschneidende Ergebnis: Ein Wort wie „Autobahn“ genügt zum (geplanten) Rauswurf einer Eva Herman aus einer bundesweiten Talkshow.“

Zur Erinnerung: Eva Herman hatte damals mit ihrem Autobahn-Vergleich versucht, ihre Anwendung des Begriffs „Gleichschaltung“ auf die heutige Medienlandschaft zu rechtfertigen.

2010 erschien der Artikel „Stille Solidarität“ [5]. Hier berichtet Bagus, wieder einmal völlig unkritisch, über einen „Schweigemarsch“ in Würzburg zum Gedenken an in Afghanistan getötete deutsche Soldaten. Unter seinem Artikel wird direkt zur Bestellung der gelben Schleife beim „NATO-Shop-Nord“ verwiesen. Darauf folgt für „weitere Informationen“ noch ein Link zum Blog „Soldatengedenken“ des Demo-Anmelders Torsten Heinrich (Funfact: Ebendieser ist derzeitiger Vorsitzender der unterfränkischen AfD).

Internetkanzler Bagus

2005 wurde Alexander Bagus von der Politcommunity „dol2day“ zum „Internetkanzler“ gewählt. In der JF wurde daraufhin von einem anderen Autor ein Artikel über diese „Wahl“ und der Kritik an dem Umstand, dass Bagus für die JF schreibt, veröffentlicht [6]. Bagus, damals noch CSU-Mitlied, antwortete fleißig auf Fragen der JF. Und zeigte sein fehlendes Problembewusstsein gegenüber rechter Ideologie. Zitate von Bagus aus dem JF-Artikel: „Wieso sollen sich eine Tätigkeit für die JF und ein liberaler politischer Standpunkt gegenseitig ausschließen?“, „Wieso soll es keinen rechten Kanzler geben dürfen? Wo ist das Problem?“
Vor der JU Nördlingen äußerte sich Bagus 2005 ebenfalls zu seiner „Wahl“ zum „Internetkanzler“. Zitat aus einem Artikel der JU Nördlingen:

„Kritisch beleuchtete der Kanzler die Entwicklung seiner Community und bemängelte den unterschiedlichen Umgang mit Links- und Rechtsextremen. Während man versuche, letztere auszugrenzen, werden erstere, die keinen Deut besser seien, mit eingebunden und erhalten mehr Rechte. So würden nationalistische Parteien verboten werden, während man eindeutige, linke Staatsfeinde frei agieren lasse. Bagus verurteilte jede Art von Parteienverbote gerade in einer Politiksimulation wie dol2day; sprach sich aber auch klar dafür aus, dass wenn Verbote für die eine Seite des politischen Spektrums ausgesprochen werden, die andere nicht verschont werden dürfe.“

Extremismustheoretiker Bagus

Dieses Zitat zeigt bereits 2005 die typische Struktur der extremismustheoretischen Argumentation von Bagus: Er verweist auf Engagement gegen Rechts, nur um dann darauf zu drängen, dass gegen den „Linksextremismus“ doch genauso vorgegangen werden müsste. Hier allerdings noch garniert mit der Aussage, dass er den Ausschluss von Nationalist_innen aus einem Politikspiel sowieso als ein angebliches Parteiverbot ablehnt.

2013 lässt er sich dann in einer PM der LHG folgendermaßen zitieren: „wer keinen braunen Mob am Untermain will, darf auch den roten weder gut heißen noch tolerieren“. Brauner Mob, Roter Mob. Für Bagus dasselbe, bzw. die als „roter Mob“ Bezeichneten die eigentlich unterschätzte Gefahr. Beim „roten Mob“ ging es im Zitat übrigens um Farbangriffe auf Verbindungshäuser und den sogenannten Studentenstein. Bei einem „braunen Mob“ besteht nach meinem Verständnis des Begriffs im Allgemeinen akute Gefahr für das Leben von Betroffenen rechter Ideologie.

Im bald zuende gehenden Sommersemester verwendete Bagus große Anstrengungen darauf, zwei Mitglieder des SSR, die auf einem Gruppenfoto ein Antifa-T-Shirt trugen, sowie die linke Hochschulgruppe SDS zu diffamieren. In einer von Bagus mitherausgegebenen gemeinsamen PM mit dem RCDS wird als Motto einer Aktion gegen den SDS die Phrase „Würzburg ist bunt, nicht rot!“ genannt. Unter demselben Titel existiert auch eine Facebookseite. Dies ist eine direkte Anspielung auf den Protest gegen das „Freie Netz Süd“ (FNS), ein Verband militanter Nazikameradschaften. Gegen dessen Aufmarsch am 1.Mai in Würzburg gab es eine Demo mit mehreren tausend Teilnehmenden unter dem Motto „Würzburg ist bunt, nicht braun!“. In besagter PM von LHG und RCDS wird diese Gleichsetzung sogar explizit propagiert:

In Anlehnung an die Demonstrationen vom 1. Mai gegen Rechtsextremisten wurde deutlich gemacht, dass auch Linksextremisten in Würzburg und an der Universität nicht willkommen sind.

Das von Bagus mit Anti-Extremismus-Stoppschild um den Hals beschallte Häufchen von ein paar Leuten aus LHG, RCDS und Verbindungen, das gegen eine Kundgebung des SDS auftrat, verstand sich also ernsthaft als Äquivalent zu den massiven Protesten gegen einen Aufmarsch der Nazis vom FNS.

Es sei schließlich noch erwähnt, dass Bagus selbst bei der „Landsmannschaft Teutonia Würzburg“ (LT) ist. Dabei handelt es sich um eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Verband „Coburger Convent“. Die fehlende Abgrenzung der LT nach rechts wurde laut verlinktem Blogbeitrag im Wintersemester 2007/2008 deutlich, als sie einen rechtspopulistischen „Islamkritiker“ ausgerechnet zum Islam referieren lies.

Fazit

Ich kann nur hoffen, dass der nächste SSR diesen rechtslastigen Senator konsequent isoliert. Dass so einer Vorstandsvorsitzender der bayerischen LHG ist und nun für die Studierenden im Senat der Universität Würzburg sitzt, ist bereits schlimm genug. Eine Zusammenarbeit wäre ein katastrophales Signal.

Übrigens: Als Ex-„Internetkanzler“ hat der neue Senator jetzt natürlich auch einen Twitteraccount. Und solidarisiert sich dort umgehend mit Jan Fleischhauer gegen eine angebliche „Genderdiktatur“, die Bagus wohl glaubt, auch an der Uni vorzufinden, in deren Senat er nun sitzt. Gute Nacht.



JF-Quellen (verlinke ich nicht):

[1] Bagus, Alexander: "Mitlesen unerwünscht", Artikel vom 29.03.2013. Junge Freiheit, Ausgabe 14/13. Abgerufen im Archiv der JF auf deren Website.
[2] Suche im Archiv der JF. Abgerufen auf der Website der JF, Unteradresse /Archiv.611.0.html mit Eingabe 1. Suchbegriff: "Alexander" "und" 2. Suchbegriff: "Bagus"
[3] Unbekannt: "Danke!", Artikel vom 17. Februar 2006. Junge Freiheit, Ausgabe 08/06. Abgerufen im Archiv der JF auf deren Website.
[4] Bagus, Alexander: "Der Journalismus... und die Wahrheit", Artikel vom 08. Mai 2009. Junge Freiheit, Ausgabe 20/09. Abgerufen im Archiv der JF auf deren Website.
[5] Bagus, Alexander: "Stille Solidarität", Artikel vom 21. Mai 2010. Junge Freiheit, Ausgabe 21/10. Abgerufen im Archiv der JF auf deren Website.
[6] Wartz, Holger: "Sturm im virtuellen Wasserglas", Artikel vom 08. Juli 2005. Junge Freiheit, Ausgabe 28/05. Abgerufen im Archiv der JF auf deren Website.

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